Ostalgie
Sodeli, eben wieder zurück von meinem ersten Aufenthalt in Tschechien. Da beruflich und nicht privat unterwegs, kam ich an einen Ort irgendwo in der östlichen Pampa. Also dort, wo man im Gegensatz zu der immer etwas mondänen, urbanen und fortschrittlichen Fassade der Hauptstädte, wirklich sieht, was abgeht.
Da wäre zunächst mal diese Bar, in der ich zugegebenermassen mit Abstand der Älteste war. Die Einheimischen waren so zwischen etwa 18 und 22. Und was hing da an der Wand? Ein Che Chevarra *) Plakat! Es wächst dort ganz offensichtlich eine Generation heran, welche die Schrecken der kommunistischen Herrschaft höchstens noch aus den verklärten Erzählungen verirrter Ostalgiker kennt. Für die ist Che Chevarra wahrscheinlich der wohl weltweit erfolgreichste T-Shirt-Hersteller.
Dann fiel mir eine Baustelle auf. Da wird der Asphalt auf einem Platz im Zentrum des Städtchens mit Klopfsteinpflaster ersetzt. Die Kohäsionszahlungen aus der Schweiz und der EU werden also nicht etwa dafür eingesetzt, das Land in die Zukunft zu führen, sondern vielmehr in die Vergangenheit. Die wurde mir damals aber anders verkauft, diese Ostmilliarde.
*) Nachtrag vom 14.10.08: Ernesto Che Guevara, so schrieb der sich richtig. War ja spanischer Sprache. Chevarra findet man allerdings auch, vor allem im englischen Sprachraum. Und es kommt noch dicker: Wiener Fans spenden Che eine Büste.
