Dem Staat das Geld entziehen wäre jetzt so einfach

Martin Müller am 24.02.2009 @ 00:56

Man reibt sich verwundert die Augen und fragt verdattert, warum sich Liberale in diesem Land hier derart vehement für die Beibehaltung der Unterscheidung zwischen Steuerhinzerziehung und -betrug einsetzen. Würden wir diese nämlich abschaffen, so würden die Banken weniger verdienen und danach dem Staat weniger Steuern zahlen. Genaugenommen ist genau das ja die Strategie echter Liberaler: Dem Staat Geld entziehen, damit er sich mit weniger begnügen muss.

    

Liberalismus wohin?

Martin Müller am 3.01.2009 @ 17:23

Da drüben bei den Bloggies, allerdings fast ein wenig off topic, hat sich eine Diskussion ergeben zum Thema “Was ist, was tun wir, mit den heren Zielen des Liberalismus”. Ein Thema, das mich seit längerem umtreibt.

Dirk F, von Erzliberal schreibt

“Politik macht man mit allem anderem, nur nicht mit Liberalismus. Liberalismus ist Antithese zur Politik. Daher ist Realpolitik mit dem liberalen Programm nicht bloß schwierig, sondern unmöglich.”

Etwas weiter unten wirft die unbekannte Lina ein

“Aber da wäre doch noch der Wunsch nach gesellschaftlicher Veränderung, nach einer ‘Ordnung’, die dergestalt (und möglichst bald!) so funktionieren könnte, sollte, wie es den liberalen Auffassungen entspricht.

Wohin mit ihm, wenn man ihn keiner politischen Partei zwecks Realisierung anvertrauen kann?”

Dies wiederum erinnerte mich an die kürzlich von einer Kollegin gemachten Aussage:

“Man kann auch alles und jedes von der liberalen Warte aus ansehen und sich dann darüber wundern, dass man nicht gewählt wird.”

Was mich zur Frage führte:

“Wollen wir am Liberalismus als Ideal so viel Abstriche machen, dass wir wählbar sind?”

Worauf Dirk F. wiederum erwiederte:

“Politik befriedigt eine Nachfrage, die nach Politik. Was die Politik ausspuckt, wird im Großen und Ganzen von den Menschen gewollt. Will man diesbezüglich eine Veränderung, so muss man das Bedürfnis der Menschen nach Politik beeinflussen - also den Weg durch die Köpfe wählen. Hierin liegt aus liberaler Sicht der einzige Zweck einer Partei, nämlich in der Nutzung der Möglichkeiten zur Beeinflussung, die dem Parteiapparat zur Verfügung gestellt werden. Eine liberale Partei muss Interessenten mit der kompromisslosen Idee des Liberalismus vertraut machen. Platz für die per definitionem kompromissgebundene Realpolitik besteht nicht. Macht man an den liberalen Prinzipien Abstriche, Martin Müller, so ist es kein Liberalismus mehr - sondern bestenfalls Neoliberalismus (man will Umverteilung) und meist Sozialdemokratie (Umverteilung plus x).”

Das wäre dann etwa der Plot für die Diskussion, die wir angesichts des desolaten Zustands Schweizerischer Liberaler Parteien endlich mal führen müssen. Darf sich eine Partei, die ständig Abstriche am liberalen Konzept macht, um sich damit Wahlchancen und/oder Regierungsbeteiligung zu erkaufen, eigentlich “Die Lieberalen” nennen? Oder führt die Alternative, so wie sie Dirk F. vorschlägt (Keine Abstriche, keine Mandate, dafür echt liberal) nicht viel eher zu ergebnisfreier Wolkenschieberei, die lediglich der Psychohygiene der Diskussionsteilnehmenden dient?

    

Mami, Mami, schau! Fantasten!

Martin Müller am 23.12.2008 @ 17:38

Während es der Tagesanzeiger/Newsnetz-Qualitätsjournalist Philipp Löpfe nicht gar so genau nimmt im Umgang mit den Zahlen und auch mit den Theorien Milton Fiedmans ziemlich liederlich umgeht, und dabei auf viel Widerstand und wenig Hofiererei stösst, wollen wir mal die sechs wohl unvermeidbaren Populismen, die zur Krisenbewältigung laufend herumgeboten werden, anschauen.

1. Die Kantonalbanken und die Raiffeisenkasse, die vom gigantischen Mittelabfluss bei den Grossbanken profitiert haben, sollen nun gefälligst grosszügig Kredite vergeben.

Quatsch! Sie sollen die Kredite nach ihren Qualitätsrichtlinien vergeben. Nicht strenger als nötig, doch keinesfalls liederlicher, nur weil sie auf viel Geld sitzen und nicht wissen, wohin damit. Denn damit würde nur das Fundament für die nächste Blase gelegt, die dereinst wieder platzen muss.

2. Der Staat soll Infrastrukturprojekte und Sanierungen sofort auslösen.

Quatsch^2! Erstens ist das mit dem “sofort” so eine Sache - beim Staat generell und bei grossen Vorhaben sowieso. Und zweitens nützen solche Projekte der bedrängten Exportwirtschaft und dem weitgehend selbstverschuldet kriselnden Finanzplatz nichts. Mit Invesitionsprogrammen wird in erster Linie die Binnenwirtschaft angeheizt, die über volle Auftragsbücher verfügt. Unsere Wirtschaft besteht bekanntlich nicht nur aus Automobilzulieferern und Finanzinstituten.

3. Der Staat soll grüne Technologien fördern, z.B. den Minergiestandard bei Neubauten vorschreiben.

Rubish! Das bringt zwar weniger Verbrauch von fossilen Energieträgern, führt aber zum Ansteigen des Stromverbrauchs, von dem wir eh mittelfristig zu wenig haben. Ausserdem verteuert sich dadurch das Bauen, wodurch die noch gerade über die Runden kommende Bauwirtschaft getroffen würde.

4. Die Gemeinden sollen Uferwege sanieren, Löcher in den Radwegen stopfen, den öffentlichen Raum verschönern…

Bullshit! Um Uferwege zu sanieren, Radwege zu bauen oder Stiefmütterchen anzupflanzen sind die frei werdenden Ingenieure und Techniker der Exportindustrie denkbar schlecht geeignet.

5. Zulagen für Bedürftige, die zu wenig Ergänzungsleistungen erhalten, erhöhen, damit diese das Geld beim Detaillisten abladen.

Chabis! Dieses Geld muss man irgendjemand Jüngerem wegnehmen, der es ebenfalls ausgegeben hätte. Eventuell sogar ringer, denn Ältere neigen eher dazu, jeden Rappen als Sparbatzen auf einer maroden Grossbank zu vertummen. Nur wird durch die Umverteilung noch ein Teil irgendwo im Sack eines gutbezahlten Staatsangestellten landen, der diesen Teil auch nicht auszugeben nötig hat.

6. Die Ausbildung der Coachs für Integrationsprojekte muss ausgeweitet werden.

Auch das noch! Auch wieder Jobs, für deren Bezahlung man dem Konsumenten das Geld erst einmal wegnehmen muss. Und auch diese Arbeit kann nicht durch arbeitslose Automobilingenieure oder Investmentbanker erledigt werden.

Zur Zeit haben Fantasten einfach Hochkonjunktur. Damit will ich nicht abstreiten, dass es nächstes Jahr wohl zu einer Delle im Wachstum kommt und wir die Gürtel etwas enger schnallen werden. Doch müssen wir uns bewusst sein, dass dieser Rückgang von einem relativ sehr hohen Niveau ausgeht. Zudem wehre ich mich mit aller Entschiedenheit gegen jeglichen staatlichen Aktivismus nach John Maynard Keynes’ Rezepten aus den Dreissigerjahren des letzten Jahrhunderts. Sie haben damals falsch gewirkt, sie werden auch jetzt nicht richtig wirken.

    

“”"Ich bin einer von Euch”"”

Martin Müller am 22.12.2008 @ 18:35

Ich gehe nach Bern als einer von Euch.

Solcherlei Quatsch soll Ueli Maurer bei der Feier zu seiner Wahl in Hinwil gemäss Medienberichten von sich gegeben haben.

Nun, da ist er wahrlich nicht der Erste. Ob er aber auch als “einer von Euch” zurückkommt, oder nicht viel eher als “einer von denen” bleibt abzuwarten. Auch da wäre er nicht der Erste. Unser lieber Stapi nabelte sich noch am Wahltag von seiner Partei ab, indem er Minuten nach Bekanntgabe des Wahlresultats verkündete:

Ich werde der Stadtpräsident von Allen sein.
Seitdem macht der als Liberaler angepriesene und gewählte vor allem mit der Beantragung von sündhaft teuren Tavernen-Renovationen, Höchststeuerfüssen und Eingriffen in die Eigentumsfreiheit von sich reden, die ihm der politische Gegner im Parlament genüsslich bewilligt.

Man mag durchaus auch das System dafür verantwortlich bezeichnen, in dem die verschiedenen Kräfte eingebunden (und aufgerieben) werden. Doch dies allein kann kaum ausreichender Grund sein, wenn Gewählte ohne Not ihre Prinzipien über Bord werfen, als wären diese gerade mal als theoretische Basis von Salongesprächen nützlich, doch keinesfalls alltagstauglich. In erster Linie scheint es mir eine Charakterschwäche zu sein. Man will nicht anecken, nicht unbequem sein, nicht kämpfen für seine Überzeugungen. Denn kämpfen bedeutet auch immer: Verletzte und Verwundete am Wegrand zurücklassen (Nachtrag: und manchmal auch selbst verwundet werden). Und dies erfordert gewiss eine gesunde Portion Kaltblütigkeit.

Eine Kaltblütigkeit, wofür insbesondere Linke und linksgerichtete Mittepolitiker durchaus die Kraft aufzubringen imstande sind, betrachtet man den allgemeinen Linksdrall der gegenwärtigen Tagespolitik. Linke können kalten Arsches ihre abstrusen Verstaatlichungstheorien verzapfen und jene, die dagegen halten, als kaltherzige, neoliberale Schweine hinstellen. Mittepolitker, besonders jene der CVP, bringen es andauernd fertig, aus dem Zusammenhang gerissene Voten oder Teile von Pressemittelungen so zu präsentieren, als wären wir Liberalen voll durchgeknallt und debil. Doch wenn Liberale mal mit aller Vehemenz den Liberalismus einfordern, oh, da finden dann sogar Liberale plötzlich, es müsse ja nicht immer liberal zu und her gehen.

So wird das aber nichts, meine Lieben. Die Marktwirtschaft hat schon immer Verirrungen und Übertreibungen mit teils heftigen Gegenbewegungen korrigiert. Doch danach gings zur nächsten Höhe weiter. Was man vom Sozialismus nicht behaupten kann: Wo der Sozialismus je am Boden lag, stand er nie wieder auf. Bedenkt das mal, ihr Staazis!

    

Wenn Städte den Sozialfall geben

Martin Müller am 30.11.2008 @ 19:32

Ist der Ruf erst ruiniert, lebste nachher ungeniert.
Werner Kroll

Diesem Leitsatz lebt wohl eine Mehrheit von knapp 61 Prozent der Dietiker Bevölkerung nach. Diese Stadt bezieht jedes Jahr zwischen 8 und 16 Millionen aus dem kantonalen Finanzausgleich, schrammt dieses Jahr wohl nur dank der unerwarteten Entwicklung des kantonalen Finanzkraftmittels am Steuerfussausgleich vorbei und wird dank sündhaft hoher Investitionen in Hallenbad-, Freibad-, Altersheimsanierung, Zukauf von historischen Gebäuden in wenigen Jahren die Verschuldung von 0 (im Jahr 2006) auf 59 Millionen anheben. Dessen ungeachtet stimmen 61 Prozent einem völlig überteuerten Computerkonzept für die Schule mit Investitionen von fast 2.2 Millionen und wiederkehrenden Kosten von fast 600′000 Franken zu. Alle Parteien waren dafür, ausser wir Liberalen. Mit unseren knapp 12 Prozent Wähleranteil ein respektables Resultat, wie mir scheint.

    

Quote Of The Day

Martin Müller am 24.11.2008 @ 23:26

Kommunisten haben mit Nazis doch gar nix zu tun (was man besonders gut daran sieht, dass sie Polen aus völlig entgegengesetzten Richtungen angriffen).

DF beim Antibürokratieteam

    

Ein Kommunist will frei sein

Martin Müller am @ 16:46

Der deutsche RAF-Terrorist Christian Klar wird aus der Haft entlassen. Nicht einfach so, weil er seine fünf Mal Lebenslänglich abgesessen hätte, nein, weil er sich um Entlassung bemüht hatte. Klars seinerzeitiger Kampf im Rahmen der Roten Armee Fraktion hätte der Einführung des Kommunismus dienen sollen. Einer Staatsform also, welche ihre Bürger einsperren muss. Aber er, er will natürlich frei sein. “Rüber machen” nannten die Gescheiten und die Fleissigen das bis August 1961 in Klars damaliger Vorzeigerepuplik. Wahrlich kein Leutturm für die Interessen, die er immer noch vertritt.

    

Freut euch auf Barack Obama

Martin Müller am 3.11.2008 @ 12:47

Ich freue mich auf den künftigen Präsidenten Barack Obama, auch wenn andere noch notorisch McCain feiern. Denn was hat Herr Obama seiner middle class (das sind in Amerika die mit den kleinen Einkommen) versprochen, waseliwas? Dass er die Steuern für die Wohlhabenden erhöhen wird. Das gefällt mir natürlich sehr, denn irgendwohin werden die reichen Amis schliesslich auswandern. Da wird wohl für die Schweiz auch der eine oder andere übrig bleiben. Oh, lovely country of chance! Oder auch country of lovely chance.

    

Fehlkonstruktion BVG

Martin Müller am 22.10.2008 @ 13:03

Der Bundesrat senkt den BVG-Mindestzinssatz von 2.75 auf 2 Prozent. Dass dies angesichts der Börsenentwicklung nötig ist, ist ebenso unumstritten, wie es sicher ist, dass sich linke Sozialpatrioten einmal mehr darüber empören werden. Aber dass dieses BVG eine Fehlkonstruktion sein könnte, weil Zwangssparen per se ein unliberales Anliegen ist, auf diese Idee kommen sie natürlich wieder nicht.

    

Verbietet öffentliche Bibliotheken

Martin Müller am 14.10.2008 @ 16:58

Die nationalrätliche Wirtschaftskommission will die Buchpreisbindung, also das Kartell der Verlage und Importeure, wieder einführen, die vor kurzem erst abgeschafft worden ist. Wenn schon kein Rettungsplan für Banken nötig ist, dann will man wohl wenigstens sonstwie seine Legitimation unter Beweis stellen. Warum, so wage ich in den Raum zu fragen, warum verbietet man stattdessen nicht einfach die öffentlichen Gemeinde- und Stadtbibliotheken? Die Bücher, die dort ausgeliehen werden, würden nämlich sonst vom ach so schützenswerten Buchhandel verkauft.

    

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