Mami, Mami, schau! Fantasten!
Während es der Tagesanzeiger/Newsnetz-Qualitätsjournalist Philipp Löpfe nicht gar so genau nimmt im Umgang mit den Zahlen und auch mit den Theorien Milton Fiedmans ziemlich liederlich umgeht, und dabei auf viel Widerstand und wenig Hofiererei stösst, wollen wir mal die sechs wohl unvermeidbaren Populismen, die zur Krisenbewältigung laufend herumgeboten werden, anschauen.
1. Die Kantonalbanken und die Raiffeisenkasse, die vom gigantischen Mittelabfluss bei den Grossbanken profitiert haben, sollen nun gefälligst grosszügig Kredite vergeben.
Quatsch! Sie sollen die Kredite nach ihren Qualitätsrichtlinien vergeben. Nicht strenger als nötig, doch keinesfalls liederlicher, nur weil sie auf viel Geld sitzen und nicht wissen, wohin damit. Denn damit würde nur das Fundament für die nächste Blase gelegt, die dereinst wieder platzen muss.
2. Der Staat soll Infrastrukturprojekte und Sanierungen sofort auslösen.
Quatsch^2! Erstens ist das mit dem “sofort” so eine Sache - beim Staat generell und bei grossen Vorhaben sowieso. Und zweitens nützen solche Projekte der bedrängten Exportwirtschaft und dem weitgehend selbstverschuldet kriselnden Finanzplatz nichts. Mit Invesitionsprogrammen wird in erster Linie die Binnenwirtschaft angeheizt, die über volle Auftragsbücher verfügt. Unsere Wirtschaft besteht bekanntlich nicht nur aus Automobilzulieferern und Finanzinstituten.
3. Der Staat soll grüne Technologien fördern, z.B. den Minergiestandard bei Neubauten vorschreiben.
Rubish! Das bringt zwar weniger Verbrauch von fossilen Energieträgern, führt aber zum Ansteigen des Stromverbrauchs, von dem wir eh mittelfristig zu wenig haben. Ausserdem verteuert sich dadurch das Bauen, wodurch die noch gerade über die Runden kommende Bauwirtschaft getroffen würde.
4. Die Gemeinden sollen Uferwege sanieren, Löcher in den Radwegen stopfen, den öffentlichen Raum verschönern…
Bullshit! Um Uferwege zu sanieren, Radwege zu bauen oder Stiefmütterchen anzupflanzen sind die frei werdenden Ingenieure und Techniker der Exportindustrie denkbar schlecht geeignet.
5. Zulagen für Bedürftige, die zu wenig Ergänzungsleistungen erhalten, erhöhen, damit diese das Geld beim Detaillisten abladen.
Chabis! Dieses Geld muss man irgendjemand Jüngerem wegnehmen, der es ebenfalls ausgegeben hätte. Eventuell sogar ringer, denn Ältere neigen eher dazu, jeden Rappen als Sparbatzen auf einer maroden Grossbank zu vertummen. Nur wird durch die Umverteilung noch ein Teil irgendwo im Sack eines gutbezahlten Staatsangestellten landen, der diesen Teil auch nicht auszugeben nötig hat.
6. Die Ausbildung der Coachs für Integrationsprojekte muss ausgeweitet werden.
Auch das noch! Auch wieder Jobs, für deren Bezahlung man dem Konsumenten das Geld erst einmal wegnehmen muss. Und auch diese Arbeit kann nicht durch arbeitslose Automobilingenieure oder Investmentbanker erledigt werden.
Zur Zeit haben Fantasten einfach Hochkonjunktur. Damit will ich nicht abstreiten, dass es nächstes Jahr wohl zu einer Delle im Wachstum kommt und wir die Gürtel etwas enger schnallen werden. Doch müssen wir uns bewusst sein, dass dieser Rückgang von einem relativ sehr hohen Niveau ausgeht. Zudem wehre ich mich mit aller Entschiedenheit gegen jeglichen staatlichen Aktivismus nach John Maynard Keynes’ Rezepten aus den Dreissigerjahren des letzten Jahrhunderts. Sie haben damals falsch gewirkt, sie werden auch jetzt nicht richtig wirken.

Zu Punkt 1. Die Kantonalbanken, Raiffeisenbanken usw. haben vom Mittelabfluss der Grossbanken profitiert und sitzen auf gigantischen Geldmengen. Problematik: Sie geben die Leitzinssenkungen der SNB wenn überhaupt, dann verzögert an die Kunden weiter und zweitens ziehen sie die Schraube bei der Kreditvergabe an. Sie werden Restriktiver. Kürzlich war zu lesen, dass die Raiffeisenbanken ihren Maestrokunden keine Kredite bzw. Kontoüberzüge mehr gewähren.
Angesichts der Tatsache, dass die Finanzkrise in den USA entstanden ist und die Sparquote der Schweizer zu einer der höchsten der Welt gehört ist es absurd nun bei uns Schweizern eine noch restriktivere Kreditpolitik zu fahren als man dies ohnehin schon gemacht hat. Kunden, die keine Kredite bekommen konsumieren nicht. Dies führt dazu, dass Geschäfte bereits vor der Weihnacht die Preise für ihre Produkte senken und folglich weniger Gewinne erwirtschaften werden. Sie werden Kostensenkungen vornehmen. (Kurzarbeit oder Entlassungen) Hier haben die Banken eine Verantwortung und die sollen sie wahrnehmen. Man muss jetzt nicht vom einten Extrem ins andere Fallen. (Vorher Milliarden in Produkte investieren, die man nicht versteht und nachher bei den Kleinkunden die Kreditschraube anziehen ist eine verdammte Saurerei!) Wie wir wissen ist das Zinsgeschäft mittlerweile lukrativer als das Investmentbanking, welches Milliardenverluste beschehrt hat!
Zu Punkt 2 und 3: Mehr oder weniger einverstanden. Bezüglich Punkt 3: Von Vorschriften halte ich nichts. Er kann von mir aus Umweltfreundliche Technologien steuerlich begünstigen.
Punkt 4 finde ich in Ordnung sofern die Steuerzahler der Gemeinden bereit sind die Kosten für solche Dinge zu übernehmen. Schöne Landschaften sind gut für den Tourismus. (Kommt allerdings auf die Region an)
Punkt 5: Vollkommen einverstanden das ist Unsinn. Damit werden falsche Anreize geschaffen.
Punkt 6: Wo haben Sie den diesen Chabis her? Ebenfalls einverstanden solchen Blödsinn braucht es nicht.
Kommentar von Alexander Müller — 24.12.2008 @ 16:59
Mit Ausnahme von Punkt 1 entstammt alles einem (leider nicht online verfügbaren) Leserbrief von Peter M. Wettler, ehemaliger Kassenfürzler bem Staatsfernsehen, heute Kommunikationsberater für allerlei Staatsstellen, Verwaltungsrat der EKZ, alt-Fürst im Fürstentum Belfort (mit Hauptort Alvaneu) und jenseits der Grenze zum Sozialismus positionierter SP-Gemeinderat in unserem bescheidenen Städtchen.
Die Maestrokarte ist nun mal keine Kreditkarte und ich habe nicht das Gefühl, die Kreditbedingungen hätten angezogen.
Kommentar von Martin Müller — 24.12.2008 @ 17:18