“”"Ich bin einer von Euch”"”

Martin Müller am 22.12.2008 @ 18:35

Ich gehe nach Bern als einer von Euch.

Solcherlei Quatsch soll Ueli Maurer bei der Feier zu seiner Wahl in Hinwil gemäss Medienberichten von sich gegeben haben.

Nun, da ist er wahrlich nicht der Erste. Ob er aber auch als “einer von Euch” zurückkommt, oder nicht viel eher als “einer von denen” bleibt abzuwarten. Auch da wäre er nicht der Erste. Unser lieber Stapi nabelte sich noch am Wahltag von seiner Partei ab, indem er Minuten nach Bekanntgabe des Wahlresultats verkündete:

Ich werde der Stadtpräsident von Allen sein.
Seitdem macht der als Liberaler angepriesene und gewählte vor allem mit der Beantragung von sündhaft teuren Tavernen-Renovationen, Höchststeuerfüssen und Eingriffen in die Eigentumsfreiheit von sich reden, die ihm der politische Gegner im Parlament genüsslich bewilligt.

Man mag durchaus auch das System dafür verantwortlich bezeichnen, in dem die verschiedenen Kräfte eingebunden (und aufgerieben) werden. Doch dies allein kann kaum ausreichender Grund sein, wenn Gewählte ohne Not ihre Prinzipien über Bord werfen, als wären diese gerade mal als theoretische Basis von Salongesprächen nützlich, doch keinesfalls alltagstauglich. In erster Linie scheint es mir eine Charakterschwäche zu sein. Man will nicht anecken, nicht unbequem sein, nicht kämpfen für seine Überzeugungen. Denn kämpfen bedeutet auch immer: Verletzte und Verwundete am Wegrand zurücklassen (Nachtrag: und manchmal auch selbst verwundet werden). Und dies erfordert gewiss eine gesunde Portion Kaltblütigkeit.

Eine Kaltblütigkeit, wofür insbesondere Linke und linksgerichtete Mittepolitiker durchaus die Kraft aufzubringen imstande sind, betrachtet man den allgemeinen Linksdrall der gegenwärtigen Tagespolitik. Linke können kalten Arsches ihre abstrusen Verstaatlichungstheorien verzapfen und jene, die dagegen halten, als kaltherzige, neoliberale Schweine hinstellen. Mittepolitker, besonders jene der CVP, bringen es andauernd fertig, aus dem Zusammenhang gerissene Voten oder Teile von Pressemittelungen so zu präsentieren, als wären wir Liberalen voll durchgeknallt und debil. Doch wenn Liberale mal mit aller Vehemenz den Liberalismus einfordern, oh, da finden dann sogar Liberale plötzlich, es müsse ja nicht immer liberal zu und her gehen.

So wird das aber nichts, meine Lieben. Die Marktwirtschaft hat schon immer Verirrungen und Übertreibungen mit teils heftigen Gegenbewegungen korrigiert. Doch danach gings zur nächsten Höhe weiter. Was man vom Sozialismus nicht behaupten kann: Wo der Sozialismus je am Boden lag, stand er nie wieder auf. Bedenkt das mal, ihr Staazis!

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8 Kommentare »

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  1. Denken als Voraussetzung? - Schön wäre es ja, aber unseren linksmittigen Politikern scheint dieses Talent abhanden gekommen zu sein. Einer labert vor, der Rest plappert nach. Die CVP-Politiker glauben sich im Aufwind, wenn sie die Verstaatlichungsträume der Linken unterstützen und die Marktwirtschaft in Bausch und Bogen verurteilen. Der derzeitige Linksdrall kann zu nichts Gutem führen.

    Kommentar von anaximander — 22.12.2008 @ 19:20

  2. Oh je, so harte Worte, ich fühle viel Wut in Dir…

    Wenn nur die blöde Wirtschaft im Moment nicht ständig nach staatlichen Eingriffen und Auffangnetzen schreien würde, nachdem sie sich selbst in Abgründe manövriert hat.

    Ich glaube, es ist ziemlich offensichtlich dass der unkontrollierte freie Markt im Moment gerade mächtig versagt hat - oder zumindest das Staatsversagen der Amerikanischen Immobilienpolitik so weit vervielfacht hat, dass alle anderen Wirtschaftszweige mit in den Abgrund gerissen werden, der ohne den freien Markt so gar nicht bestehen würde.

    Ich bin ja überhaupt nicht pro-verstaatlichung. Die sinnvoll gemassregelte und reglementierte unsichtbare Hand kann fast alles besser, weil Innovationskraft und Informationsbedürfnisse besser kanalisiert und effizienter umgesetzt werden.

    Das Stichwort dabei ist aber “reglementiert” - der freie Markt allein führt notgedrungenermassen zu Marktversagen. Wir kennnen sie: Externe Effekte, Öffentliche Güter, Asymmetrische Information und steigende Skalenerträge. Wer angesichts dieser allgemein akzeptierten Probleme des freien Marktes immer noch nach absolutem Liberalismus schreit, hat einfach etwas nicht begriffen.

    Kommentar von Guido — 22.12.2008 @ 23:36

  3. Wo bitteschön sehen Sie einen unkontrollierten freien Markt? Haben Sie irgendwo halluzinogene Pilzli erwischt? Immerhin scheint Ihnen das staatsversagen der Amerikanischen Immobilienpolitik nicht fremd zu sein. Noch besteht also Hoffnung.

    Es ginge übrigens nicht um die Diskussion “reglementiert” oder “nicht reglementiert”. Das Stichwort ist “sinnvoll”. Hier scheiden sich die Geister.

    Kommentar von Martin Müller — 23.12.2008 @ 00:07

  4. Ach so, ja, Wortklauberei. Obwohl, viel unkontrollierter als an der Börse ist ein Markt nicht wirklich umsetzbar…

    Kommentar von Guido — 23.12.2008 @ 00:23

  5. Die Börse ist nicht “der Markt”, mein lieber Sohn und Kupferstecher. Nur eine kleine Anzahl Unternehmen der hiesigen Wirtschaft besteht aus börsenkotierten Unternehmen. 80% der Arbeitsplätze in diesem Land werden durch nichtkotierte KMU angeboten. Ausserdem steht die Börse unter strenger staatlicher Aufsicht. Dass diese Kontrolle in Teilbereichen wie dem Insiderhandel schlecht funktioniert, bedeutet noch lange nicht, dass da etwas unkontrolliert läuft. Höchstens ungeahndet mangels hieb- und stichfesten Beweisen; ein rechtsstaatliches Prinzip notabene. Und ein Beweis dafür, dass staatliche Aufsicht nur bedingt das bringt, was dem Volk suggeriert wird.

    Kommentar von Martin Müller — 23.12.2008 @ 09:10

  6. Sie bestreiten also dass die Krise auf der Börse (und nur auf der Börse) ausgelöst wurde und nur jetzt nachträglich auf andere Wirtschaftsbereiche übergreift? Diese Entwicklung ist ja noch lange nicht abgeschlossen, die nicht börsenkotierten Unternehmen bekommen erst langsam und indirekt zu spüren, dass die Börse die Grosszahl der börsenkotierten Unternehmen mächtig in Stich gelassen hat…

    Kommentar von Guido — 23.12.2008 @ 11:51

  7. Oh je, jetzt habe ich wieder das Wort “ausgelöst” benutzt, das so nicht ganz stimmt weil die Börse “lediglich” als Katalysator und Multiplikator wirkte…

    Kommentar von Guido — 23.12.2008 @ 11:52

  8. Sie haben ja bereits erkannt, dass der Keim der heutigen Krise bei den durch die linke Bürokratie Clintons bei Freddie Mac und Fanny Mae erzwungenen Junk-Hypotheken an minderbemittelte Familien liegt. Damit sollten sozialpolitisch hehre Ziele erreicht, die lokale Bauwirtschaft angekurbelt und - natürlich ganz uneigennütz wie das bei Linken so üblich ist - neue Wählerschichten erschlossen werden. Dass jeder staatliche Bock irgendwelche kriminellen Gärtner findet, die ihn bewirtschaften, ist längst klar. Trotzdem finden sich immer wieder windige Politiker, welche die Schalmaienklänge vom sozialen, gerechten und weisen Staat verbreiten. Einem Staat, der totz all seiner Macht die kriminellen Machenschaften nicht zu verhindern wusste und nun halt mit Steuergeldern die Folgen zu lindern versucht. Für mich ist das eine ganz besondere Form von Steuerbetrug.

    Kommentar von Martin Müller — 23.12.2008 @ 12:21

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