Hubacherscher Ausblendungssozialismus

Martin Müller am 20.07.2008 @ 16:50

Unter dem Titel "Von der staatstragenden Partei ins Lager der Staatsgegner" sitzt Alt-SPS Parteipräsident Helmut Hubacher in der heutigen NZZ am Sonntag (leider nicht online) über den Freisinn zu Gericht. Zwar beginnt er mit der Bemerkung, er erhebe keinen Anspruch auf Objektivität, bemühe sich aber um Fairness, um allsogleich das Erste zu bestätigen und das Zweite Lügen zu strafen.

So schreibt er zum Beispiel im Kontext der Gründungszeit des Bundesstaats:

Die Freisinnigen verstaatlichten öffentliche Dienste wie Bahn, Post und Telefon. Die Energie- und Wasserversorgung gehörte in den Aufgabenbereich der Kantone. Was wir heute als Service public verstehen, trägt demnach die freisinnige Handschrift.

Hubacher unterliegt damit einem Grundlagenirrtum. Er blendet nämlich aus, dass die sich an der genossenschaftlichen Grundidee des subsidiären Wirkens orientierenden Staatsbetriebe jener Gründerjahre unter Einfluss gewerkschaftlicher Apparatschiks in unübersichtliche, ineffiziente und intransparente Staatsmoloche transformierten, die mit den radikalliberalen Grundideen noch etwa soviel gemeinsam hatten, wie der Teufel mit den zehn Geboten.

So kommt meinereiner denn zur Vermutung, Sozialismus sei wohl letzten Endes nichts anderes als Liberalismus unter Ausblendung sämtlicher sinnstiftender Fakten. Kein Wunder, hat er bisher nirgends funktioniert.

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6 Kommentare »

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  1. Wer den Altsozialisten Hubacher anstellt, den Zustand der FDP zu beschreiben, hätte auch Christoph Mörgeli um die Laudatio zu Calmy-Reys 10tem Amtsjubiläum bitten können - in beiden Fällen ist das Ergebnis vorhersehbar. Ich gehe einig, dass die Interpretation der Maxime “Mehr Freiheit weniger Staat” als gegen den Staat als solchen gerichtet bewertet werden müsse und im Ziel Ent-Staatlichung um jeden Preis bedeute, doch eine ursächlich hubacher’sche ist. Abgesehen von dieser Seite war auch die nebenstehende redaktionelle Interpretation des fortschreitenden Niedergeangs der FDP eine rein grafische Fortsetzung des Trends seit 1848. Eigentlich unter dem Niveau des Blattes.

    Kommentar von Michael Jäger — 20.07.2008 @ 22:16

  2. Was ist denn aus der liberalen Wirtschaft und dem freiheitlichen Handwerk geworden? ;)
    Kartelle, Blockierung von Parallelimporten, Hegde-Fonds, Versicherungen, die Milliarden verfeuern. uvm. Nicht mit Steinen aus dem Glashaus werfen!

    Kommentar von Thommen — 20.07.2008 @ 23:32

  3. Wieso fragt die NZZ eigentlich den Hubacher? Sie soll liberale Menschen fragen, warum sie in der FDP oder FLP keine Heimat mehr finden: Eine Partei die gegen freien Handel ist, lieber den Konsum eines Allgemeingutes verbietet (oder nichts macht) als mit einem Preis belegt, Subventionen verteilt, Steuern nicht senkt, Regelungen nicht angeht etc. kann für liberale Menschen keine Partei sein.

    Kommentar von Dominik — 21.07.2008 @ 06:38

  4. Ich teile die Einschätzung von Hubacher. Die Liberalen haben sich meilenweit von den liberalen Grundsätzen verabschiedet. Kein Wunder geht die FDP vor die Hunde.

    Kommentar von Alexander Müller — 21.07.2008 @ 10:51

  5. Es ist durchaus möglich, dass Hubacher dort recht hat, wo er beklagt, dass nicht mehr liberalen Grundsätze nachgelebt wird. Doch seine Rhetorik zielt keineswegs darauf ab, diese wieder in ihrer vollen Reinheit zu installieren. Im Gegenteil. Mit seiner Simplifizierung äusserst komplexer Vorgänge in der Staatswirschaft über mehr als 150 Jahre, will er die liberalen Grundsätze im Sozialismus tränken. Hiegegen richtet sich meine Schreibe.

    Kommentar von Martin Müller — 21.07.2008 @ 19:56

  6. Oja, ich habe den Artikel ebenfalls gelesen. Herr Hubacher möchte aus der FDP das machen, was sie zum Teil leider fast ist: eine Sozialistische-Partei, geschmückt mit liberalem Deckmäntelchen.

    Kommentar von anaximander — 21.07.2008 @ 21:22

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