Stumpfsinnige Hitler-Vergleiche
Die Zeitung Sonntag brachte heute aus Anlass von Hitlers Einsetzung als Reichskanzler vor 75 Jahren die erste von zwei Geschichtslektionen zu dessen Machterlangung (nicht online). Etwas, was wir nicht schon wissen täten, gibt es darin nicht. Erstaunlich aber das Editorial des Chefredaktors Patrick Müller. Darin spielt er auf Parallelen zu Blocher an, zwar nicht ohne diese gleich wieder zu relativieren. Doch es sei schon bemerkenswert, wie die Autoren zum Schluss kämen, die «Vergiftung des politischen Klimas» und die «Polarisierung» hätten Hitlers Aufstieg begünstigt. Links- wie Rechtsextreme hätten zuvor die «Autorität der staatlichen Institutionen untergraben». Und dann folgt unweigerlich die scheinheilige Frage, auf die er uns das ganze Editorial lang vorbereitet: "Kommt Ihnen das bekannt vor?"
Ja, das kommt mir bekannt vor. Da gab es welche die skandierten, aus dem Staat sei Gurkensalat zu machen. Jegliche bürgerliche Ordnung wurde in Frage gestellt. In Klassenkampfparolen beschimpfte man öffentlich den politischen Gegner. Man vergriff sich an fremdem Eigentum und richtete sich rechtsfreie Zonen ein.
Ich bin aber davon überzeugt, dass Patrick Müller nicht daran gedacht hat. Die Säure des Moralins macht schädigt die Rezeptoren für solche Gedanken unschädlich.
