Privatisiert endlich diese Volksschule

Martin Müller am 9.01.2008 @ 00:10

Vielerorts, wo derzeit über die Volksschule geschrieben wird, kommen Begriffe wie "überforderte Gemeinden" oder auch "Grossbaustelle" in nicht marginaler Häufung vor. Ein Faktum, über das sich nur Laien wundern.

In den vergangenen drei Dekaden trug "die Gesellschaft" so viele Aufgaben an die Volksschule heran, die nicht zum eigentlichen Kernauftrag einer Bildungsinstitution gehören. Die Schulen, politisch lasch geführt und von 68er Pädagogen unterwandert, nahm diese Anliegen noch so gerne auf. Fehlender Wettbewerb führte dazu, dass man sich nicht untereinander messen, seine Kernkompetenzen nicht vergleichen lassen musste. Nun ist das passiert, was einem Gemischtwarenladen in aller Regel gerne passiert: Die Diversifizierung ist nicht mehr zu verwalten, geschweige denn zu gestalten.

Wohl war die Einrichtung der Volksschule bei ihrer Einführung eine Notwendigkeit, ja gar eine Weisheit, im Kampf gegen Armut und Perspektivelosigkeit weiter Bevölkerungskreise. Doch es ist falsch verstandener Respekt vor den Resultaten der Schaffenskraft früherer Liberaler, an Konzepten festzuhalten, deren Resultaten man ansieht, dass sie sich überlebt haben. Heutige Liberale sehen in der Regel ein, dass der Staat nicht in der Lage ist, Schule in einem geordneten Rahmen stattfinden zu lassen (einige davon lassen sich allerdings dadurch noch zum falschen Schluss verleiten, mit mehr Geld wäre da noch etwas zu machen).

Privatisieren wir die Schulen, verkaufen oder vermieten die Schulhäuser an private Bildungseinrichtungen und geben wir den Eltern pro Kind einen Bildungsgutschein ab. Ein beachtlicher Teil dieser Eltern, besorgt um die Ausbildungsqualität ihrer Sprösslinge, wird den Wettbewerb unter diesen Schulen in Gang und die Qualitätssicherung auf Trab halten. Eltern, die Wert auf Bildung handwerklichen Geschicks legen, werden genauso ein Angebot finden, wie solche, die lieber auf Drill und Übung setzen. Vielfalt wird einkehren und Chancengleichheit wird endlich realistisch. Heute ist sie sowieso zur Gleichmacherei, zur Nivelierung aufs Mittelmass verkommen.

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7 Kommentare »

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  1. Genau! Da setze ich doch einen manuellen Trackback auf einen meiner Beiträge zum Thema: Link.

    Kommentar von Dominik — 9.01.2008 @ 09:13

  2. Ein vernünftige Idee. Die Frage ist nur, was wir dann mit all den Beamten, die sich heute mit der Misere befassen, machen…

    Kommentar von anaximander — 9.01.2008 @ 11:58

  3. Au ja, privatisieren wir die Volksschule, auf dass die ersten Koranschulen wie Pilze aus dem Boden spriessen! Manchmal verleitet diese Anti-68er-Hysterie wohl zu unüberlegten Schnellschüssen…

    Kommentar von Thomas Läubli — 9.01.2008 @ 22:29

  4. @Thomas Läubli: Bitte die Idee genau studieren, bevor sie ins Kraut schiessen.

    Kommentar von Dominik — 10.01.2008 @ 07:44

  5. «Warum soll der Staat eigentlich Bildung anbieten?» Genau deshalb weil er der Garant dafür ist, dass nicht irgendwann Intelligent Design statt Evolutionstheorie gelehrt wird oder dass junge Musliminnen sich nicht vor dem Schwimmunterricht drücken können oder dass eine Volksschule nicht die musische Bildung wegrationiert, weil sie nur noch als Kostenfaktor und “unnützes Herumspielen”, statt als basale Förderung des Aufbaus von Gehirnstrukturen wahrgenommen wird.

    Kommentar von Thomas Läubli — 10.01.2008 @ 23:44

  6. Mir scheint, der Staat sei heute in erster Linie Garant dafür, die Chaosthorie mit seiner Volksschule empirisch beweisen zu wollen…

    Kommentar von Martin Müller — 10.01.2008 @ 23:51

  7. Würd ich auch vorschlagen, erst nachdenken!

    Kommentar von Trish — 11.01.2008 @ 15:29

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