Oh Schreck: Pelli will bleiben
Es war nur eine Randbemerkung in irgend einer der unzähligen Elefantenrunden gestern Abend: Fulvio Pelli sagte, er wolle nun jene Kantonalsektionen auf Kurs bringen, die sich noch nicht erneuert hätten, die bereits erneuerten hätten gewonnen. Da will also einer weiterhin mit liberaler Watte gepolsterten Etatismus an die Frau und den Mann bringen. Irgendwie kam er mir vor wie Gerhard Schröder, der nach seiner knappen Wahlniederlage vor laufender Kamera die grosse Lippe riskierte. Nein, nein. Pulvio verschossen, Felli bachab.
« Und was tut nun die Schweizer Presse? Wenn Franz Steinegger hustet »

Hört der Personenkult denn niemals mehr auf? Einfach nur grässlich…
Kommentar von theddy — 22.10.2007 @ 21:34
Das schnall’ ich nun nicht. Was ist daran Personenkult?
Kommentar von Martin Müller — 22.10.2007 @ 21:53
Die Frage ist, ob die FDP etwas besseres verdient hat. Wenn ich da so an liberale Kernthemen wie Freie Schulwahl, Freihandel, bes. Parallelimporte, Verteilung/Zugänglichmachung öffentlicher Güter wie Umwelt, Strassen, etc. denke.
Kommentar von Dominik — 23.10.2007 @ 08:45
Warum nicht Wunden lecken mit Pelli? Das ist weniger schlimm, als den purlauteren Unsinn, den Steinegger und der Alt Kürzestzeit-Bundesrat Friedrich in die Gegend blasen, zu lesen: “Blocher ist Schuld”, “die Krawalle sind Schuld”, “überhaupt hat nur die SVP Schuld” am Niedergang der FDP. - Dulieberhimmel, was für ein Glück für das Land, dass nicht mehr von der Sorte FDP gewählt worden sind. Im Moment stellt sie ja eh ihre Zuverlässigkeit als Listenpartner zur Schau - und votet für Gallladé in den Ständerat
Kommentar von anaximander — 24.10.2007 @ 15:10
Es ist eine Binsenwahrheit: Wer Schlagzeilen generieren will, muss nicht den politischen Gegner angreifen, sondern Parteikollegen. Ein paar FDP-Nationalräte üben sich darin - erfolgreich. Sie zielen mit Schrot auf ihren Bundesrat Pascal Couchepin, weil er hauptverantwortlich sei für den erneuten Aderlass des Freisinns. Otto Ineichen (LU) forderte auf Schweizer Radio DRS gar den Rücktritt des Magistraten. Starker Tobak.
Zur Erinnerung: Noch im Frühsommer hatte die FDP-Fraktion beschlossen, im Dezember ihre beiden Bundesräte Merz und Couchepin wieder zu nominieren. Was also soll das Allotria?
Bürokollege Suppino kommentiert giftig: “Da blasen zwei Hobby-Schachspieler zum Angriff, haben aber keine Ahnung, wie die Züge drei und vier aussehen sollen.”
Spielen wir theoretisch einen Couchepin-Abwahlversuch durch: Ein Rechtsbürgerlicher soll ihn ersetzen, das ist für die freisinnigen Kritiker klar.
Bei Bundesratswahlen spielt die sprachregionale Herkunft stets eine entscheidende Rolle. Vor vier Jahren wählten beispielsweise bürgerliche Parlamentarierinnen aus der Ostschweiz nicht die Bernerin Christine Beerli, sondern einen der Ihren: den Appenzeller Hans-Rudolf Merz. Couchepin müsste also durch einen Lateiner ersetzt werden. Wen hätte die FDP - oder die SVP - im Köcher? Wohlverstanden mit einem klar rechtsbürgerlichen Profil?
Wir dürfen die ganze Nacht nachdenken. Ein valabler Kandidat wird uns nicht in den Sinn kommen. Die Hobby-Schachspieler wiederum dürfen nachsitzen, so wird man nicht zum Königsmörder.
www.wahlkampfblog.ch
Kommentar von Mark Balsiger — 24.10.2007 @ 19:27
Couchepin wird im Amt bleiben - und, so nehme ich, bestätigt werden. Aber die beiden Ersatzspieler sind bereits in den Startlöchern: Leutenegger wird ins Tessin ziehen und Otto mitnehmen - als Untermieter
Kommentar von anaximander — 24.10.2007 @ 22:33
@anaximander, no. 4: “votet für Galladé” ? Nur nicht übertreiben. Davon weiss ich mindestens nichts. CVP und EVP wollen Galladé unterstützen, wenn Diener nicht antritt.
Kommentar von Martin Müller — 25.10.2007 @ 20:24
Jetzt spielt das keine Rolle mehr; Diener wird allein gegen Maurer in die Wahl ziehen. Aber es ist wahr, ich habe gehört (radio), dass einige ZH-FDPler Maurers Kandidatur als Quasi-Rache für den “Sieg” der SVP nutzen wollen und für Galladé voten. - Kein “Seich”.
Kommentar von anaximander — 26.10.2007 @ 15:31
Axo. Es gibt bekanntlich in den besten Familien schwarze Schafe. Wenn ich mich da an vor vier Jahre erinnere, als die Berner SVP-Bauern, die ganz Schlauen, sich zu Simonetta Sommaruga bekannten und sie auch noch in den Ständerat wählten…
Kommentar von Martin Müller — 26.10.2007 @ 21:15
Vorsicht mit den schwarzen Schafen, politisch korrekt heisst das “schwarze Schafe und Schäfinnen”
Georg Kreis wird sich bemühen, den Ausdruck verbieten zu lassen - so oder so.
Kommentar von anaximander — 27.10.2007 @ 17:25
Politische Korrektheit interessiert mich nicht. Ich halte mich da an Max Frenkel, dem langjährigen NZZ-Journalisten, der in seinem im Verlag der Vontobel-Stiftung erschienenen und leider vergriffenen Buch mit Titel “Äxgüsi” und Untertitel “ABC des politisch inkorrekten Schweizers” die political correctness beleuchtet hat. Er trifft IMHO den Nagel auf den Kopf. Ich zitiere aus der Einleitung:
“Politische Korrektheit ist für jene, die sie praktizieren, und so sie nicht einfach Modisches nachplappern, immer eine ganz bestimmte Form des Verantwortungsbewusstseins. Sie ist eine ideologische Position: Ein ethischer Standard, der in der Sicht der ihn Setzenden für alle zu gelten hat. Wer dieses säkulare Evangelium predigt, zeigt damit zugleich die eigene moralische Überlegenheit. Politische Korrektheit hat eben weniger mit dem zu tun, was man tut, als mit jenem, das man demonstrativ nicht tut, von Negern zu sprechen zum Beispiel oder von Mohrenköpfen. … Für sie [die politisch Unkorrekten] ist politische Korrektheit eine Form der Heuchelei, eine Haltung, die mit ihrer Wortakrobatik gerade auch noch betont, dass Neger, Zigeuner, Alte und so weiter etwas Negatives sind, und so das unterstreicht, was sie zu überwinden vorgibt.”
Ich hätte übrigens noch drei Exemplare davon, falls sich jemand interessiert.
Kommentar von Martin Müller — 27.10.2007 @ 21:09