Warum investiert Sawiris?

Martin Müller am 29.09.2007 @ 22:53

In der dieswöchigen Welt liest sich - nur für Abonnenten online - ein Artikel über den "Pharao von Andermatt" (Copyright Weltwoche). Der Teaser endet mit der Frage: "Wer ist der Mann, der eine Milliarde Franken in ein abgewirtschaftetes Bergtal investiert?" Leider gelingt es Bruno Ziauddin trotz Interview in fünf Anläufen während zweier Tage an vier verschiedenen Örtlichkeiten nicht, den wahren Visionär hinter Samih Sawiris herauszuschälen. Dabei liegt doch der Grund für Sawiris’ Investment klar auf der Hand. Wenn die Grünen recht kriegen mit dem Klimawandel, dann ist Andermatt in wenigen Jahrzehnten eine aufstrebende Hafenstadt an der Nordsee. Und dann geht dort die Post ab, das sage ich Ihnen.

    

Eigenverantwortung und Egoismus sind Zweierlei

Martin Müller am @ 21:32

Was passiert, wenn eine Kinderkrippe, deren Betreuungsangebot bis 16:00 Uhr dauert, mit dem Ziel der Disziplinierung ein paar säumiger Eltern, die ihren Nachwuchs ab und an zu spät abholen, eine Busse einführt? Die Unpünktlichkeit nimmt zu. Schliesslich bezahlt man nun mit der Busse die Überzeit der Krippnerin. Was man vorher aus Gründen der Fairness und des Anstandes so oft es ging vermied, weil man die längere Hütezeit als Freundschaftsdienst ansah, den man nur im Notfall beanspruchen mochte, unterliegt nun plötzlich rein materiellen Abwägungen im Sinne einer optimalen Allokation der knappen Ressourcen Zeit und Zaster. Verspätung wird somit zu einem akzeptablen, weil abgeltbaren Verhalten. Es wird also das Gegenteil von dem erzielt, was man erreichen will.

Und was passiert, wenn diese Busse nach einer gewissen Zeit mangels Erfolg wieder abgeschafft wird? Die Unpünktlichkeit nimmt nicht wieder ab. Die starke innere Motivation der Fairness und des Anstandes wurde durch das Ansetzen einer Vorschrift unter Strafanordnung ersetzt mit der schwachen äusseren Motivation der Busse.

Sie glauben das nicht? Müssen Sie auch nicht. Wissen ist allemal besser als Glauben. Die beiden israelischen Wissenschafter Uri Gneezy und Aldo Rustichini haben bereits 1998 diesen Effekt in einer Studie anhand zehn privater Krippen in Haifa belegt.

Dies sei als Warnung an all diejenigen Interventiönler zu verstehen, die Adam Smiths Theorie der unsichtbaren Hand aus dem Jahre 1776 mit dem Einwand zu bodigen suchen, diese funktioniere nur in einer Gesellschaft absolut egoistischer Menschen und diese sei schliesslich nicht das Ziel. Deshalb brauche es einen starken Staat, der seine Mitglieder mit Vorschriften zum gesellschaftlich erwünschten Verhalten zwinge. Es war nämlich ebenfalls Adam Smith, der mit allen Wassern gewaschene Tausendsassa, welcher in seiner Theorie der ethischen Gefühle bereits im Jahr 1759 dieses extrem egoistische Menschenbild anzweifelte. Seiner Ansicht nach sind die Menschen ebenso von Sympathien füreinander bestimmt. Für den Zusammenhalt einer Gesellschaft sorge deshalb nicht das Gewaltmonopol des Staates, sondern eben die Fähigkeit, füreinander Sympathie zu empfinden und sich in andere hineinversetzen zu können.

Adam Smiths Ansatz der unsichtbaren Hand, die von alleine das Allgemeinwohl dirigiert, wenn die einzelnen Menschen sich nur um ihr eigenes Wohl kümmern, basiert also keineswegs auf Egoismus, wie uns das heutige Sozialpopulisten einreden wollen, sondern auf Eigenverantwortung, die auch moralische Grundwerte wie z.B. Fairness und Anstand gegenüber Mitmenschen mit einschliesst.

Zwischenmenschliche Angelegenheiten mit Vorschriften regeln zu wollen muss also gut überlegt sein. Und es nützt wenig, heute das fehlende soziale Engagement von Unternehmern zu beklagen, nachdem man die starke innere Motivation der Fairness und des Anstandes durch die schwache äussere Motivation der Sozialversicherungsprämien ersetzt hat.

    

Die Rechnung ohne das Volk gemacht

Martin Müller am 28.09.2007 @ 22:31

Wir kriegen im Bezirk Dietikon nächstes Jahr, 18 Jahre nach Bezirksgründung, ein eigenes Bezirksgericht. Normalerweise sind solche Richterwahlen nicht so spannend. In den meisten Bezirken machen die Parteien die Sache nach Proporz unter sich aus und in der Regel weiss am Ende kaum jemand, welcher Richter von welcher Partei gestellt wird, was auch nicht weiter schlimm ist, denn Richter sollen richten, nicht politisieren.

Dieses Mal aber verspricht es, spannend zu werden. Im Kanton Zürich sind nämlich für die Teilzeitstellen auch Personen ohne juristisches Studium wählbar. Man mag dies ein Kuriosum nennen doch ich finde, so einen Richter, der auch mal eine andere Sichtweise und Erfahrung einbringt, und sei es nur während den Gesprächen beim Pausenkaffee, kann der Qualität eines Gerichtskollegiums nur Gut tun.

Das sehen natürlich die gelernten Juristen gar nicht gerne. Da ich bis Mitte April noch Bezirksparteipräsident war, konnte ich hautnah das Lobbying der Professionellen miterleben. Gerade zum Trotz hätte ich gerne einen Laienrichter vorgeschlagen. Doch es kam anders. Die erste Sitzung der IPK, der Interparteilichen Konferenz der Parteien, fand nach meinem Ausscheiden aus dem Amt statt, wurde aber noch vorher organisiert. Deshalb bekam ich noch mit, dass die Parteieliten (aller Parteien) zwar den Obergerichtspräsidenten, einen bekanntermassen erklärten Gegner des Laienrichtertums, zu dieser Sitzung einluden, den Präsidenten der Vereinigung teilamtlicher Bezirksrichter, in welcher vornehmlich die Laienrichter organisiert sind, aber nicht, obwohl sich dieser redlich darum bemüht hatte. Links-Grün kann man daraus zwar diesmal keinen Strick drehen. Vielmehr verwundert haben mich CVP, FDP und SVP, hatten diese doch gemeinsam das Laienrichtertum in der neuen Kantonsverfassung gegen den erbitterten Widerstand von Lins-Grün erneut verankert. Wie auch immer: Es wurden jedenfalls sechs Profijuristen nominiert. Die Laien hatten die Mauschler vom Dienst vorsorglicherweise aussen vor gelassen und sich schon auf eine stille Wahl ohne aufwändigen Wahlkampf gefreut.

Nun ist es natürlich nicht den Parteien vorbehalten, Wahlvorschläge zu machen. Das nutzten nun die Befürworter von Laienrichter und nominierten zusätzlich den Unternehmer Felix Diem aus Schlieren und den Sicherheitsberater Peter Heinrich Stelzer aus Oetwil an der Limmat. Was selbstredend auch nicht optimal ist, denn gleich zwei Laien unter sechs Richtern scheint auch mir übertrieben. Aber den selbstgefälligen Parteigewaltigen, die sich um die Anliegen des Laienrichtertums foutierten, mag ich es von Herzen gönnen, dass ihre Rechnung nicht aufgegangen ist.

Nun, heute kamen die Wahlunterlagen. Diem uns Stelzer stehen bei mir jedenfalls drauf. Und das Couvert liegt schon im Stadthaus, Widerstand ist also zwecklos.

    

Die Mitte ist dort wo nichts ist

Martin Müller am 22.09.2007 @ 14:06

Es ist Wahlkrampf, da wollen die Parteien den potentiellen Wähler von diesem und jenem überzeugen. Da schreibt dann der Dietiker Neo-EVP-Gemeinderat Thomas Wirth schon mal einen Leserbrief im Lokalblatt, der Limmattaler Zeitung, wie sich unser Tagblatt mit AZ-Mantel seit einer Woche nennt. Von einer Mitte mit Profil ist da die Rede. Von Lösungen statt Parteipolitik. Von christlichen Werten und menschlicher Politik. Und dann gerät er ins Schwärmen über seine Kandidierende Christiane Ilg-Lutz aus Dietikon, 1956, Familienfrau/Damenschneiderin, Gewerkschafterin, die er wie folgt zitert: «Ich setze mich ein für gerechte Löhne, gute Arbeitsbedingungen und starke Familien!»

Politische Mitte und Gewerkschafterin? Sic! Merke: Die Mitte muss man nicht wählen. Die Mitte ergibt sich. Und sie ist dort, wo letztlich nichts ist.

    

Klimaerwärmung im Fehlertoleranzband

Martin Müller am 18.09.2007 @ 16:30

Nur kurz, aber weil’s so schön ist: 55 Prozent der Wetterstationen haben eine Abweichung von > 5 Grad Celsius, 15 % eine solche von > 2 Grad Celsius. Also weichen total 70 Prozent aller Messungen um mehr als 2 Grad ab. Und daraus wird dann ein Global Warming herbeigeschnorrt. Die ganze Story auf oekologismus.de.

    

Dietikon wird BigbandCity

Martin Müller am 15.09.2007 @ 21:35

Den 13. und 14. September 2008 dürfen sich Swing-Liebhaber getrost schon mal reservieren. Denn wenn Pepe Lienhard im OK Einsitzt und Radio DRS1 die Medienpartnerschaft übernimmt, dann kann’s nur gut kommen. Mehr…

    

Die Energielücke ohne neue KKWs stopfen

Martin Müller am @ 20:42

Ich brauche keine Politiker, die mir weismachen wollen

  • mit einem schwarzen Schaf seien Schwarze gemeint (Micheline Calmy-Rey im welschen Radio),
  • die alle 14 Tage zusätzlich entstehende Kapazität an Windenergie könne ein KKW ersetzen (Chantal Galladé am gestrigen Ständeratspodium in Dietikon),
  • die Schweizer hätten aus lauter Angst vor économiesuisse im Jahr die Solarinitiative abgelehnt (Kathy Riklin, ebenfalls gestern)
  • FDP und SVP hätten gemeinsam die Energieinitiativen gebodigt (Verena Diener, gleicher Tatort),

denn als freier Citoyen dieses Landes

  • kenne ich den Spruch, dass es in jeder Familie ein schwarzes Schaf gebe,
  • vermag ich die Kapazitäten eines KKWs durchaus einzuschätzen,
  • lasse ich mir von niemandem Angst einflössen,
  • kann ich ohne Zusatzausbildung nachprüfen, dass FDP und SVP zusammen in diesem Land schon seit Jahrzehnten  keine absolute Mehrheit mehr haben.

Doch ich wüsste, wie man die Energielücke ohne KKW stopfen könnte. Würde man all die heisse Luft, die da dieser Tage von unseren Kandidierenden, Eliten und Magistratspersonen ausgestossen wird, in eine Druckturbine einleiten, dann wären unsere Energiesorgen für die nächsten zehntausend Jahre gelöst.

    

Nichts Neues im Alter

Martin Müller am 12.09.2007 @ 16:53

Das Newsportal der Bundesverwaltung titelt: "DEZA-Direktor Walter Fust tritt in den Ruhestand." Im Alter sollte man wirklich nichts Neues mehr anfangen. Wo er Recht hat, hat er Recht.

    

Die Bombardier-Maschine

Martin Müller am @ 15:16

Was stellen Sie sich unter einer Bombardier-Maschine vor? Muss wohl irgend ein ganz mörderisches Bombenabwurfgerät sein. Wie auch immer: Der Titelredakteur vom Online-Tagi meint damit eine Maschine, die vom Flugzeughersteller Bombardier gebaut wurde. Die Masslosigkeit greift um sich und ist allgegenwärtig.

    

Danke, liebe Leser

Martin Müller am 10.09.2007 @ 23:13

Wie ich da nun seit ein paar Wochen Sitemeter auf dieser Page zählen lasse, bin ich mir plötzlich bewusst geworden, dass doch etliche regelmässige Leser teils sogar mehrmals täglich hier vorbeischauen. An dieser Stelle einmal ein einfaches, deswegen aber nicht minder herzliches Dankeschön für Ihr Interesse.

    

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