Eine Gesinnungsfrage?
Für die NZZ ist schwul sein offenbar eine Gesinnungsfrage. Weshalb sonst würde wohl das Blatt den entsprechenden Artikel mit "Wowereit unter Gleichgesinnten am Christopher-Street-Day" untertiteln? Irgendwie homophob, dieses ehemals stolze liberale Flagschiff.
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Sehr wohl unterscheidet sich eine Gesinnung von einer Tätigkeit oder einem Akt…
Heterosexuelle gibt es viele, aber bewusst für die Ehe entscheiden sich noch lange nicht alle - für die sexuelle Treue noch weniger!
Es sind mehr als ein Drittel aller Männer in ihrem Leben zeitweise (auch) mit homosexuellen Handlungen beschäftigt (früher als “homosexuelle Phase” und “Altershomosexualität” definiert), aber nur eine Minderheit ist schwul. Und längst nicht jeder Mensch, der homosexuelle Handlungen “begeht”, möchte als “Homosexueller” eingeordnet werden. Inzwischen wissen wir auch, dass nicht jeder Verheiratete oder sonstwie heterosexuell Aktive ein “Normaler” ist!
Kommentar von Thommen — 3.06.2007 @ 09:23
Gut, kehren wir das Ganze um. Warum sollte Heterosexualität eine Gesinnung sein? Weil sich noch lange nicht alle bewusst für eine Ehe entscheiden? Hmmm, da herrscht meinerseits Erklärungsbedarf.
Kommentar von Martin Müller — 4.06.2007 @ 09:49
Die Gesinnung in der Heterosexualität ist die Ehe! Weil aber Ehe und Heterosexualität traditionellerweise gleichgestellt wurde, funktionierte schon die Heterosexualität als Gesinnung…
Homosexualität kann niemals eine Gesinnung sein, weil sie niemals Norm war.
Schwulsein ist eine Gesinnung, die über das exotische, episodenhafte, verruchte und verklemmte homosexuelle Erlebnis hinausgeht, das heute jeder verüben kann, ohne dafür existenziell bestraft zu werden…
Schwulsein sinnt darüber nach, was ich tue, wie ich es tue und warum ich es wieder tue!
Kommentar von Thommen — 4.06.2007 @ 10:01
Mit Gesinnung ist wohl gemeint, dass die Leute am Christopher Street Day Homosexualität zu einem politischen Programm machen. Es gibt aber auch Leute, die sind ganz im unpolitischen Sinne homosexuell, d. h. ohne gleich von einer angeblichen Benachteiligung zu reden und ohne gleich nach einem Gleichstellungsbüro zu rufen, das alles reglementieren soll.
Kommentar von Konstantin — 4.06.2007 @ 11:10
Unpolitisch sind eben nur Menschen, die keine Gesinnung haben und sich nicht als Teil einer Gesellschaft verstehen, nicht mal als Minderheit, oder gar als Stammtisch!
Was die Reglemente betrifft, so wird immer nur das hinterher reglementiert, was die Exponenten von Politik und Wirtschaft schon Jahrzehnte lang verweigert oder versäumt haben, obwohl immer behauptet wird, sie seien führend in allem… Aber führen heisst “vorausgehen”! Wer ist gegen die “angebliche Benachteiligung” der/den Schwulen vorausgegangen? Wer hat vorausschauend gleichgestellt ohne ein Gleichstellungsbüro?
Kommentar von Thommen — 4.06.2007 @ 14:22
Homosexualität ist weder eine Gesinnung noch ein politisches Programm, sondern schlicht und einfach die natürliche Veranlagung. Wenn man aber von der politischen Gesinnung des CSD spricht, muss man sich im klaren sein, dass der CSD an den politischen Protest von Lesben und Schwulen gegen die Unterdrückung des Staates anno 1969 erinnert. Insofern ist es erklärungsbedürftig, warum die Teilnehmer des CSD keine politischen Forderungen stellen dürften.
Im schulischen Bereich z.B. sollte Homosexualität in der ganzen Schweiz als obligatorisches Thema behandelt werden müssen. Oder man könnte am Umzug der Solidarität mit Schwulen und Lesben im Ausland (z.B. Polen, Russland) Ausdruck verleihen. Was Konstantin mit «angeblicher Benachteiligung» bezeichnet, kann mit Recht als zynische Formulierung abgetan werden.
Kommentar von Thomas Läubli — 7.06.2007 @ 01:43
Schon peinlich für eine vorgeblich liberale Gazette!
Kommentar von Sergej — 10.06.2007 @ 20:34