Die FDP bleibt im Bundesrat
Nicht schlecht gestaunt habe ich schon, als ich gestern Manfred Messmers Artikel auf Arlesheim Reloaded las, wonach Herr Pelli gedroht haben soll, die FDP werde aus dem Bundesrat austreten, sollten die Wähler 2007 nicht FDP wählen.
Da ich es mir getreu dem Motto "Mut zur Lücke" leiste, auf die finanzielle Unterstützung eines sozialistischen Kampfblatts zu verzichten, war ich nicht sofort in der Lage, das nur in der Printausgabe des Tages-Anzeigers erschienene Interview im Original zu prüfen. Allerdings fiel mir bereits bei Durchsicht der Agenturmeldungen (siehe z.B. hier) auf, dass diese, im Gegensatz zu Messmers Darstellung, Pellis Aussage so wiedergaben:
Wenn SP und SVP zulegten, die Mitte aber verliere, «dann ist das Modell der Konkordanz zu Ende». Welche Partei den Bundesrat verlassen müsste, lässt er offen.
Das ist doch schon mal etwas ganz anderes. Nun, dass es der Tages-Anlüger manchmal nicht gar so streng nimmt mit der journalistischen Objektivität und schon mal gerne zwecks Auflagesteigerung eine reisserische Headline setzt, die mit den Tatsachen wenig gemein hat, ist bekannt und mithin ein Grund für meine mir selbst verordnete "Bildungslücke". Mein Telefon heute Morgen mit dem Geschäftsführer der Zürcher FDP, Andreas Hammer, hat mir jedenfalls endgültig bestätigt, dass das wieder mal ein reiner Journalistenfurz war: Falsche Headline. Andreas beschwor, er habe das Entschuldigungsschreiben des TA selber gesehen.
« Lex Koller gehört abgeschafft Feinde der Offenen Gesellschaft »

“Mit Verwunderung bis Irritation reagieren FDP-Mitglieder auf Aussagen ihres Parteipräsidenten Fulvio Pelli über ein Ende der FDP-Vertretung im Bundesrat.Die Debatte brach nach einem Streitgespräch los, das der «Tagesanzeiger» gestern publizierte: Sollte seine Partei bei den nationalen Wahlen erneut einbrechen, sagte der FDP-Chef, «dann ist das Modell der Konkordanz am Ende».” Das ist ein Zitat aus der heutigen baz. Pelli hat das schon so gesagt. Ich weiss nicht, weshalb sich da der Tagi bei irgend jemanden entschuldigen sollte.
Neu ist ledglich, die flexible Zauberformel: Sie besagt, dass ein unter 15 Prozent geschrumpfter Freisinn Ende 2007 genau gleich um seinen zweiten Bundesratssitz würde kämpfen müssen, wie Ende 2003 die 14-Prozent-Partei CVP. Doch selbst nach einem Sitzverlust in der Landesregierung wäre die FDP noch lange nicht am Ende. Und die Konkordanz erst recht nicht. Am Ende wäre dann hingegen aber einer: FDP-Präsident Fulvio Pelli”, schreibt die Baz.
Hoffe etwas Licht in den Zweifel gebracht zu haben.
Kommentar von M.M. — 14.10.2006 @ 17:53
Den Satz “dann ist das Modell der Konkordanz am Ende” bestreitet niemand. Aber Pelli hat nie gesagt, dass die FDP damit aus dem Bundesrat gehe. Das suggerierte lediglich der vom Tagi gesetzte Titel, der ebenfalls genüsslich von Radio DRS aufgenommen wurde.
Kommentar von Martin Müller — 14.10.2006 @ 18:02
Lieber Freund und Kupferstecher, das ist Wortklauberei. Dein Freund Pelli hat gezünselt und ist - so ist er - darüber erschrocken, dass der Heuhaufen brennt. Und dass man das jetzt dem Tagi in die Schuhe schieben will, ist lächerlich aber ich würde mal sagen - typisch FDP.
Kommentar von M.M. — 14.10.2006 @ 18:48
Lieber Messmer, mich dünkt, Sie können sich einfach nicht eingestehen, dass Sie einer Ente des TA aufgesessen sind und in Ihrem Blog noch etwas aufgebauscht haben. Das würde dann auch gleich den harschen Ton erklären, den Sie meinen, anschlagen zu dürfen, obwohl ich mich nicht entsinnen könnte, mit Ihnen jemals zusammen Schweine gehütet zu haben.
Kommentar von Martin Müller — 14.10.2006 @ 20:08